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Nacht 40

Es läuft ein Drama im Fernsehen, die Prinzessin ist in ihren Gemächern, ehe sie vom Bettelknaben abgeholt wird - natürlich in feinste Seide gehüllt, von der Fee gesponnen, seinem eigenen Wunsch vermacht zu ihr zu gehören;
Erinnere mich, dass da auch eine Prinzessin ist, die auf mich wartet.
Schrille Schreie schrecken mich aus meinem schicken Schlafgemach, blinzel einmal kurz, dann sehe ich eine weiße Decke, weißes Bett, weißen Schrank, weiße Tür, die weiße Decke ist gar zauberhaft warm, doch ich stehe auf, will die Stimmen sehen, die mich aus dem Bett gescheucht haben. Der Fernseher ist aus.
Seltsam.
Gehe die vielen Treppen hinunter, vielleicht gibt es einen Aufzug, keine Lust den zu suchen.
Unten erwartet mich eine schlafende Großstadt, Läden unter Wohnungen, Schienen für eine Straßenbahn, sehr hohe Häuser, kleckerweise beleuchtet durch nächtliche Schaufensterwerbung, doch hier her kamen die Schreie nicht.
Gehe zum Hinterausgang, der zum Hof führt und plötzlich stehe ich unmittelbar zwischen zwei streitenden Leuten, die sich auf den Tod nicht ausstehen können. Sie keifen und fauchen, bewerfen sich mit zentnerschweren Anschuldigungen, speien ihren Hass im Innenhof des Blockes herum, bekleckern alles und jeden mit pechschwarzem dünnflüssigem Schleim, der in die Ritzen jedes Hauses dringt, den Mörtel ersetzt und auf die Katze übergeht, die nichtsahnend den Glibber mit den Krümeln von den Fliesen schleckt, sich infiziert unter den Tisch des Hauses legt und böses denkt.
Die Mauer zwischen den Beiden, die durch das Aufeinandertreffen der persönlichsten Hassausbrüche entsteht wird stetig größer, schiebt die beiden auseinander, sie drehen sich um gehen weg, doch plötzlich werden sie langsamer und bleiben an einem dünnen Seil hängen, welches sie um ihre Herzen geschlungen tragen. Der Schmerz scheint so groß, dass sie am ganzen Leibe zittern, während sie sich sehr langsam und mit gesenktem, in Schmerz gehülltem Gesicht durch die sich langsam auflösende Mauer schleppen, jeder Zentimeter durch die Mauer muss schrecklicher sein als der vorherige, nun schleppen sie sich durch immer tiefere, den Kern treffendere Beleidigungen, beide atmen schwer, die Frau schluchzt heftig, der Mann ist zu sehr mit Schmerz durchsetzt als dass er weinen könnte. Auch der Boden verändert sich, er wird fester, es ist sicherer zu treten, doch er wird durchsichtig, man sieht die endlose Schlucht unter sich, deren Boden einen ewig warten lässt.
Ich werde Zeuge einer sehr langsamen Umarmung, die mir ins Mark geht. Die zitternden Arme berühren sich und drücken einander fest an sich. Sehr fest, als wollten sie das Band um ihre Herzen maximal entspannen, fast rücksichtslos, dabei doch liebevoll und verständnisvoll.
Dann gehen sie Arm in Arm zurück ins Haus.
Hinterlassen den Innenhof schwarz gestrichen.
13.6.10 19:04
 


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