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Nacht 80

Ich hänge majestätisch und bewegungslos wie ein Albatros in einer mir sehr zuträglichen Briese, schwebe mit von unten erwärmten Schwingen auf der Schwere der Welt, aale mich im Sonnenlicht.

Unter mir fegt mein Schatten über Steppen hinweg, so weit und so bevölkert.
Überall drängen sich Tiere über Tiere, treten, stoßen, quetschen, der Gestank verweht sich nach hier oben, doch ich kann ihn sehen, kann mir vorstellen wie es ist mit der Zunge über diese Niedrigkeiten zu fahren, über wie Schweine wirkende Gazellen, die kleinen Kriechtiere, die durch die Leiber noch größerer Tiere nach oben lugen wie ein Höhlenbewohner den zuckenden Schatten bestaunen, den er weder versteht noch jemals selbst werfen wird.

Doch sie sehen keinen Schatten, bloß ein kurzes Flackern des ihnen Hoffnung gebenen, bloß für Bruchteile eines Augenblicks existierenden Fensters, gebildet aus jenen, die dort unten die ganze Welt ausmachen.

Die anderen.

In jeder Zeit hatten die Menschen Momente, in denen sie sich als der König der Welt fühlten.

Aber nun endet die Jugend nicht mehr.

Ich könnte in Windeseile auf diesem Berg sein oder Ozeane überqueren. Allein, kein Schiff notwendig.

Auch wenn ich nicht der König der Welt bin, gibts es doch niemanden, der mehr König wäre. Nicht über Menschen, sondern worüber es sich lohnte König zu sein. 

Über sich selbst.

 Bei jeder der vielen Briesen, die meinen Flug kreuzen, weht ein Hauch in der Luft, wenn ich die Augen schließe und mich konzentriere kann ich wittern, was darin steckt.

Ich rieche den Duft vieler Frauen, sie erinnern mich an die Zeit, die dieser Flug beendet, an viele Momente, denen dieser Flug gewidmet ist, der Start jedoch nicht.

Zwischen den Wolken zeichnen sich Gesicher vieler Frauen ab, die alle gleich sind. 

Jede einzelne von ihnen einzigartig.

Ich werde ein letztes Mal genau hinsehen, ob sich darunter nicht doch etwas einzigartiges versteckt; unter dem neuzeitlichem Dreck, der einzig in ihrem Kopf steckt, vermeindlich verdeckt unter dem Mantel der Anonymität, doch für jeden sichtbar, der in ihre Augen sieht, so durchdringend, so einnehmend, dass sich der Schmutz aus ihrem Kopf durch die Augen über ihren Leib ausbreitet, ihren Körper in die hässlich und abstoßende Haut der Schande steckt, die  unansehnlicher ist als jede von Kot und Dreck bedeckte Haut eines Mädchen im tiefsten, niedrigsten Mittelalter.

 

Der Albatros verharrt in der Luft und lässt sich bewegungslos in die Tiefe ziehen, man fällt nicht, man lässt sich fallen.

 

'Lange Beine machen' heißt es immer.
Das Land wird hügliger, ich bin fast da.
Schade, dass der Boden irgendwann kommen muss.

28.7.10 08:41
 


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