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Ich hoffe, sie hat Recht

Ich werfe an der kleinen Gasse den Anker, gehe ans schlickige Ufer, an dem schon so mancher sein Auskommen gefunden hat; der Umweg zu keinem Ziel ist kein Ausweg, an dem man vorbeiweht und bleibt, er ist ein Fasten, kein Haus an dem du lehntest wird sich je an dich erinnern.

 

Bevor ich in den kleinen Laden gehe, rauche ich mir eine, die Dinge sind nicht leichter geworden in letzter Zeit. Früher, als nicht nur mein Körper in den Zwanzigern war, rauchte ich nicht. Seltsam krumm schmeckt die Zigarette. Meine Blicke schweifen ab in ferne Welten, in denen Krabben den Planeten übernommen haben, riesige rosa Krabben mit Haaren auf den Zähnen, die uns alle kräftig zwicken. Wir wachen auf und sehen, dass wir gar keinen Planeten besitzen, der übernommen werden könnte.

Der Laden riecht herrlich weich, Gewächse in allen Arten füllen die Ladenfläche und ein bärtiger Mann schaut hinter der Theke nach dem Wohlergehen der immobilen Kostbarkeiten. Versuche meine Gedanken beisammen zu halten, sehe nach, ob ich auch weit genug hinten stehe, um alles sehen zu können und betrachte den Raum dabei.

"Kann ich ihnen helfen?" fragt der Bärtige, als ich bei einer kleinen Birke stehen bleibe. "Sind wohl Birkenliebhaber, was? Ja, schönes Ding, ein Findelkind, man brachte es hier her, als es noch nicht geschlüpft war."

Ich sah den Mann regungslos an.

"Bist auf der Suche nach anderen Gewächsen, was?"

Ich nickte, während er mich ansah und sein Mund auf ging.

"Hanur?" fragte er, als hätte er Schwierigkeiten mich zu erkennen. War wahrscheinlich vor einigen Wochen erst bei ihm gewesen.

"Wer sonst?" 

"Ich weiß nicht, du siehst irgendwie anders aus."

Wir gingen durch die Tür hinter der Theke in einen Raum, in dem man andere Gewächse kaufen konnte, als im öffentlichen Teil des Ladens. Gewächse, die einem mehr helfen können, als Birken. Sie können dich nicht verändern, aber du hast die Chance von ihnen zu lernen, wenn du bereit bist zu akzeptieren, dass keine Wahrheit die Richtige ist. Ganz besonders deine nicht.

 

Nicht hier. Nicht in dieser Welt.

 

"Sie ist..." begann ich, doch er unterbrach mich, 

"die selbe?" 

"Ja. Aber dieses Mal brauche ich...."

"Das hier." sagt er und gibt mir einen Umschlag.

"Das kann ich nicht." sage ich und geb ihm den Brief zurück.

"Wieso nicht?"

"Ich kann nicht zu ihr gehen, sie ließe mich nicht rein."

"Du lässt dich nicht rein, aber nun gut. Der Herr soll bekommen, was er so lang nicht erfragt."

Er drehte sich kurz um und gab mir einen Umschlag, den ich ohne nachzusehen öffnete.

Es war unerträglich heißt, die Sonne schmolz den Himmel über meinem Kopf und meine Füße würden bald anfangen zu schmoren.

Weite Steppe, kein Baum im Bilde.

Ist das ein Kopf?

Ist das ein Traum?

Wer träumt denn so etwas?

Ich bin splitternackt, so gehe ich zügig weiter, wohin das weiß ich nicht, kein Anhaltspunkt. Als die Füße unerträglich heiß werden, bleibe ich stehen, kauere mich nieder, doch schon bald vertrockne ich, meine Haut wird brüchig und reißt. Nach Stunden nichts. Stehe auf und geh weiter, ich renne und falle auch sogleich. Ein Blick zurück weiß mir eine Wurzel als Urheber zu melden.

Eine Wurzel?

Es kracht, poltert, rappelt, ich fühle mich wie ein Bobbycar, welches die Treppe runter fährt.

So plötzlich wie dieser Moment ohne Vergangenheit kam, war er auch wieder weg, bzw. wie in diesem Fall, festgesteckt.

Mein Kopf ist wie eingeklemmt zwischen irgend was, hänge Kopfüber irgendwo drin. Als ich die Augen auftue, erblicke ich eine Frau, ihr Gesicht um 90° gedreht, offensichtlich steckt sie auch fest.

Da sehe ich, wer sie ist und mir stockt der Atem und der Mund wird trocken.

Es ist sie, sie hat die Augen geschlossen, ich kann sie atmen hören. Ich muss in einer Person sein, die sie kennt.

"Lea?" flüstere ich zittrig.

Sie scheint verschlafen, "Was? Wieso?" seufzt sie, dann schlägt sie die Augen auf und erschrickt. "DU??"

"Hi. Wie geht es deinem Garten?" frage ich nicht weniger zittrig.

"Mein Garten interessiert mich gerade herzlich wenig. Wo sind wir hier?"

Ich schaue mich mit den Augen um. 

"Weiß nicht, der Raum scheint viel zu klein für uns. Und da vorn ist eine Tür."

Sie sieht zur Tür. Tatsächlich, eine sehr winzige Tür mit winzigem Türknauf, so groß wie ihr Auge.

"Vielleicht kommste von aussen mit den Fingern ran. Probier's mal."

Sie macht ein angestrengtes Gesicht, sieht mich dann fassungslos an.

"Ich glaub, ich hab keine Arme." sagt sie.

"Wie? Keine Arme?"

"Versuch du's doch" sagt sie.

Keine Arme... 

Ich denke nach, dann geht mir ein Licht auf.

"Vielleicht bin ich die Tür." sagte ich ein bisschen scherzhaft, weil ich weiß, dass sie derartige Ansätze nicht leiden kann, "vielleicht muss ich mich einfach öffnen."

"Ich glaub nicht, dass das klappt." sagt sie, denkt leise und ruft "Martin! Mach doch mal bitte die Tür auf!"

Kurze Zeit später ein Klicken, die Tür öffnet sich und Lea ist verschwunden.

Ich höre meinem Blut dabei zu wie es schwerfällig aus dem Hirn rausgepumpt wird, während  ich darüber nachdenke, wie sie es geschafft hat.

Was sollte mir das sagen? Sie ist in einem Raum. Ein sehr kleiner Raum. Eigentlich viel zu groß für ihren ganzen Körper. Dann diese Tür... Unnormal klein. Oder... doch nicht? War sie unnormal groß?

Was ist hinter der Tür? Wenn sie nicht normal ist, ist es ein anderer vielleicht. Das ist es!

Soviel ich auch nachdenke, mir fällt kein normaler Mensch ein. Ich kenne keinen...  Vielleicht... muss dieser jemand nicht normal sein, sondern bloß in Bezug auf diesen Raum.

"Rolf! Kannste mir die Tür aufmachen?"

Sogleich fliege ich, es ist Tag und mein Wille der Weg. Die Landschaft sieht mir nicht vertraut aus, der Boden schrecklich abstoßend. Die Person in der ich bin muss gar schrecklicher Natur sein. Während unten das Grollen herrscht, wartet oben ein Himmelreich mit bunten Farben und einladenden Schwingungen.

"Den Tag seiner eigenen Herrschaft erlebt nur die schlechteste Kreatur, auf die fällt kein Schwert und Feder können nicht fallen, also werden sie zu Krabben, die sein gefühlsloses Fleisch in Unkenntlichkeit zwicken, ohne ihn aufzuwecken." wispert es aus den Wolken.

Nach einigem Fliegen sehe ich einen schwarzen Punkt in der Ferne, der zu einem fliegenden Mensch wächst.

Wir müssen hier weg, keine Ahnung, ein Gefühl, man ist hier nicht sicher. Ich starre sie an, als  wär die Antwort gegeben, will nicht vor, will dass sie zuerst hinauf zum Licht steigt.

Doch das tut sie nicht, macht Anstalten wie nichts nach unten zu gehen.

"Du willst doch nicht etwa nach dort?" frage ich entsetzt.

Sie gibt mir ein hämisches "Tss" entgegen und ist verschwunden, in dem dreckigen unbekannten Bodenkerker, der von hier oben weder Heil noch Ruh verspricht, gruslig verschrobene Zähne recken sich mir entgegen, ich fliehe ihr hinterher.

14.6.09 16:47
 


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